Das Höhlengleichnis (514 St.2 A - 518 St.2 B)

Das Höhlengleichnis ist das bekannteste Gleichnis Platons und behandelt erneut den Aufstieg der menschlichen Seele zu wahrer Erkenntnis. Die grundlegenden Unterscheidungen, die im Sonnen- und Liniengleichnis getroffen wurden, werden auch hier wieder formuliert. Außerdem erläutert Platons Sokrates dem Glaukon noch ausführlich die Frage, wie es dem Menschen ergeht, der vom Unwissen zum wahren Wissen über das Wesen der Dinge vordringt.

Das Gleichnis beginnt mit den Menschen, die, in einer Höhle sitzend, von Jugend an in solcher Weise gefesselt sind, dass sie ausschließlich auf die vor ihnen befindliche, hintere Höhlenwand zu schauen vermögen. In Richtung des Einganges der Höhle brennt ein Feuer, welches die finstere Behausung erhellt. Zwischen den Gefesselten und dem Feuer befindet sich eine niedrige Mauer, hinter der Menschen Statuen, Bildwerke und andere Gerätschaften entlang tragen. Das Licht des Feuers wirft die Schatten dieser Dinge auf die hintere Höhlenwand. Die Gefesselten können daher auf dieser die sich bewegenden Schatten wahrnehmen und ordnen die manchmal hörbaren Stimmen der Menschen, da diese für die Gefesselten nicht zu sehen sind, den Schatten zu.
Auf dieser bildhaften Ebene gibt es noch eine Welt außerhalb der Höhle. Diese wird als jene Wirklichkeit beschrieben, die wir als Menschen normalerweise mit den Augen wahrnehmen. Es existiert dort die Fülle der sichtbaren Dinge, zu denen in der Nacht der Mond und die Sterne am Firmament und am Tag die Sonne mit dem von ihr ausgehenden Licht gehören. Die Gegenstände werfen durch das Sonnenlicht wiederum ihre Schatten, während sich Sonne, Mond und Sterne ihrerseits in glatten Flächen und Gewässern spiegeln.
Der Sokrates des Platon deutet nun dieses Gleichnis, indem er die unterirdische Höhle mit der für unsere Augen sichtbaren Wirklichkeit gleichsetzt. Die Welt außerhalb der Höhle steht für jenen Bereich des nur Denkbaren, der der menschlichen Seele durch die Vernunft zugänglich ist. "Die mittels des Gesichts sich uns offenbarende Welt vergleiche einerseits mit der Wohnung im unterirdischen Gefängnisse, und das Licht des Feuers in ihr mit dem Vermögen der Sonne, das Hinaufsteigen und Beschauen der Gegenstände über der Erde andererseits stelle dir als den Aufschwung der Seele [C] in das Gebiet des nur durch die Vernunft Erkennbaren vor, und du wirst dann meine Meinung hierüber haben, dieweil du sie doch einmal zu hören verlangst, ein Gott mag aber wissen, ob sie richtig ist!" (517 St.2 B und C)
Ähnlich wie im Sonnengleichnis steht auch im Höhlengleichnis die Sonne in der Welt außerhalb der Höhle für das Wesen des eigentlichen Guten. Nach Platon kann das höchste Gute die Vernunft der menschlichen Seele am schwierigsten und nur zuletzt erfassen. Der Mensch, dem dies gelingt, wird jedoch zur Erkenntnis gelangen, dass alle Dinge einschließlich der Sonne und ihrem Licht im Wesen des höchsten Guten ihren Ursprung haben. Ferner ist das höchste Gute auch die Ursache für die Wahrheit und die Erkenntnis von allem Richtigen und Schönen.

Platon vertritt die Auffassung, dass der Mensch, in der Welt der Schatten und Täuschungen befangen, erst nach einer schmerzvollen Phase der Gewöhnung die wahre Erkenntnis vom Wesen der Dinge zu schätzen weiß. Wenn einer der Gefesselten befreit und gezwungen würde, hinter ihm die wirklichen Gegenstände und in das Feuer zu sehen, wäre dieser Vorgang wegen der ungewohnten Helligkeit mit Schmerzen in den Augen verbunden. Und noch dem irrtümlichen Glauben verhaftet, dass die Welt der Schatten wirklicher sei, wäre er geneigt, sich wieder dieser zuzuwenden. Wenn einer der Höhlenbewohner in einem weiteren Schritt gewaltsam von der Höhle ins Freie gebracht würde, wären seine Augen vom Licht der Sonne wahrscheinlich so sehr geblendet, dass er zunächst nur die Schatten und Spiegelungen und erst dann langsam die tatsächlichen Gegenstände erkennen könnte. Schließlich wäre er fähig, die Sterne und den Mond in der Nacht und erst ganz zuletzt die Sonne selbst wahrzunehmen. Der Mensch, dem dann schließlich die Erkenntnis zuteil wird, dass die Sonne (das höchste Gute) der Ursprung der gesamten existierenden Welt ist, würde jedoch nach Platon lieber alles Ungemach der Welt über sich ergehen lassen, als wieder sein einstiges Leben im Reich der Schatten zu führen.
Es ist allerdings auch das Schicksal des zu wahrer Erkenntnis gelangten Menschen, dass er sich nach einer Rückkehr in die Höhle dort nur mehr schwer zurechtfindet. Seine Augen sind an das Licht gewöhnt und daher erscheint er in der Dunkelheit den anderen Höhlenbewohnern unbeholfen und setzt sich deren Spott aus. Und wenn er den Versuch machen würde, sie aus der Höhle hinaus zu führen, würde er sich der Gefahr aussetzen, von ihnen ermordet zu werden. So verliert dieser Mensch jegliche Lust, sich mit dem Alltag in der Höhle zu beschäftigen, da dort nicht über das wahre Wesen der Dinge, sondern nur über deren Schatten verhandelt wird (z. B. nicht über die wahre Gerechtigkeit, sondern nur über die Schatten der Gerechtigkeit).
Was auf der bildhaften Ebene im Höhlengleichnis als Blendung der Augen beschrieben wird, zeigt sich auf der Ebene der Seele als Verwirrung, Irritation und daraus folgender Ungeschicklichkeit. Wie das Gleichnis darstellt, treten diese Seelenzustände dann auf, wenn der Mensch zu höherer Erkenntnis über das Wesen der Dinge vordringt oder umgekehrt von dieser Stufe wieder in ein unwissendes Umfeld zurückkehrt. Nach Platon sind diejenigen Menschen glücklich zu schätzen, die Verwirrung erfahren, weil sie zu wahrer Erkenntnis gelangen. Jene aber, denen dieser Seelenzustand widerfährt, weil sie sich trotz ihres Wissens wieder in eine ungebildete Umgebung begeben, sind zu bedauern.

Literatur

Böhme, G. (2000) Platons theoretische Philosophie. Stuttgart.

Platon, (1855) Politeia (Der Staat). Nach der Übersetzung der Bücher I–V von Wilhelm Siegmund Teuffel und der Bücher VI–X von Wilhelm Wiegand. In: Platons Werke. Zehn Bücher vom Staate. Stuttgart.
http://www.opera-platonis.de/Politeia.html

 

13. Jänner 2016          oliver beihammer


 

 

 

Das Liniengleichnis (508 St.2 D - 511 St.2 E)

Im Anschluss an das Sonnengleichnis trägt Platon am Ende des sechsten Buches der Politeia das Liniengleichnis vor. Die literarische Figur des Sokrates erläutert hier vier unterschiedliche Arten der Erkenntnis, die sich in Bezug auf ihren Wahrheitsanspruch voneinander unterscheiden.

Zunächst trifft Platon in Anlehnung an das Sonnengleichnis eine Unterscheidung, indem er mögliche Erkenntnis in den Bereich des Sichtbaren (mit dem Auge erkennbar) und in den Bereich des durch die Vernunft Erkennbaren (nur dem Denken zugänglich) unterteilt. Der Sokrates Platons fordert seinen Gesprächspartner Glaukon auf, sich die Teilung einer Linie in zwei ungleiche Abschnitte vorzustellen und ordnet beide Arten der Erkenntnis jeweils einem Abschnitt zu. Nun wird abermals eine Teilung der beiden Abschnitte nach demselben ungleichen Verhältnis vorgenommen, wodurch wieder jeweils zwei Unterabschnitte entstehen, die eine weitere Unterscheidung in den beiden Bereiche ermöglichen.
Dem einen Unterabschnitt im Bereich des Sichtbaren werden nun jene Erscheinungen zugeordnet, die den geringsten Wahrheitsanspruch haben. Es sind dies einerseits Schatten und andererseits Spiegelungen und Reflexionen, wie sie auf dem Wasser oder an Körpern mit glatter Oberfläche entstehen. Die Wahrnehmung dieser Art von Phänomenen wird als "Wahrerscheinen" (eikasia) bezeichnet.
Der nächste Unterabschnitt umfasst das Erkennen der Dinge der sichtbaren Welt. Als Beispiele werden hierfür die Natur (die Tier- und Pflanzenwelt) und die Erzeugnisse der menschlichen Kunstfertigkeit genannt. Die dem Auge  wahrnehmbaren Dinge sind bei Platon Abbilder der Ideen, und die Erkenntnis dieser Dinge hat daher einen höheren Wahrheitsanspruch als der Bereich der bloßen Schatten und Spiegelungen. Diese auf die Welt gerichtete Erkenntnis wird als "Glauben" (pistis) bezeichnet.
Nun wendet sich Sokrates jenen Möglichkeiten der Erkenntnis zu, die nur dem Denken zugänglich sind. Der eine Unterabschnitt umfasst die Bereiche der Geometrie und Arithmetik. Auf diesen Gebieten werden ausgehend von unerwiesenen Voraussetzungen weitere Untersuchungen vorgenommen. Als Beispiele solcher Voraussetzungen werden der Begriff einer Geraden, die Festlegung geometrischer Figuren oder die drei Arten von Winkeln angeführt. Auch wenn in der Geometrie zur Veranschaulichung gezeichnete Abbilder von geometrischen Figuren ihre Anwendung finden, geht es letztlich nicht um diese, sondern um die Anwendung der damit in Verbindung stehenden abstrakten Prinzipien. Diese Art der Erkenntnis wird durch die  "Verstandestätigkeit" (dianoia) ermöglicht.
Schließlich erläutert Sokrates die Erkenntnis durch "Vernunfttätigkeit" (noesis), die in Platons Philosophie den höchsten Wahrheitsanspruch einnimmt. Das dafür angewandte Verfahren wird als Dialektik bezeichnet. Durch diese Methode kann die Seele das eigentlich Seiende (die Ideen) erfassen und schließlich auch zum Ursprung alles Seienden gelangen. Das höchste Gute ist die Ursprung alles Seienden und beruht seinerseits auf keiner Voraussetzung mehr. Wenn die Seele durch die Vernunft diesen Ursprung erfasst hat, lassen sich alle untergeordneten Begriffe des Richtigen, Schönen und Guten daraus ableiten.
Schließlich ordnet Platon die vier Arten der Erkenntnis nach ihrem jeweiligen Wahrheitsgehalt: "Das hast du durchaus richtig aufgefaßt, sprach ich. Und so laß denn jenen vier Abschnitten auch vier Seelenzustände entsprechen, Vernunfttätigkeit dem obersten, Verstandestätigkeit dem zweiten, dem dritten aber weise den Glauben und dem vierten das Wahrerscheinen zu, und ordne sie nach dem Verhältnis, daß du ihnen denjenigen Grad von Deutlichkeit beimißt, welcher dem Anteil entspricht, den sie an der Wahrheit haben." (511 St.2 E)

Im siebten Buch der Politeia werden die im Liniengleichnis in zwei Gruppen gefassten Weisen der Erkenntnis noch einmal in ihrem Verhältnis zueinander dargestellt: "Es genügt also, fuhr ich fort, den ersten Abschnitt des Erkennens Wissenschaft zu nennen, den zweiten Verstandeseinsicht, [534 St.2 A] den dritten Glaube, den vierten Wahrerscheinen, und einerseits die beiden letzten zusammen Meinung, andererseits die ersten zusammen Vernunfteinsicht, dabei bezieht sich Meinung auf das wandelbare Werden, Vernunfteinsicht auf das unwandelbare Sein, so daß wie Sein zum Werden, so Vernunfteinsicht zu Meinung, und wie Wissenschaft zum Glauben, so Verstandeseinsicht zum Wahrerscheinen sich verhält." (533 St.2 E und 534 St.2 A)
Platon bezeichnet hier die Erkenntnis in der sichtbaren Welt mit den Bereichen Wahrerscheinen und Glauben zusammen als "Meinung" (doxa), die sich auf das wandelbare Werden und Vergehen bezieht. Im Bereich des unwandelbaren Seins werden die Vernunfttätigkeit (im Zitat "Wissenschaft") und die Verstandestätigkeit zusammen mit dem Überbegriff "Vernunfteinsicht" versehen.

Literatur

Böhme, G. (2000) Platons theoretische Philosophie. Stuttgart.

Platon, (1855) Politeia (Der Staat). Nach der Übersetzung der Bücher I–V von Wilhelm Siegmund Teuffel und der Bücher VI–X von Wilhelm Wiegand. In: Platons Werke. Zehn Bücher vom Staate. Stuttgart.
http://www.opera-platonis.de/Politeia.html

 

29. November 2015          oliver beihammer


 

 

 

Das Sonnengleichnis (507 St.2 A - 509 St.2 C)


- Oliver Beihammer, Fotografie -

Im sechsten Buch der Politeia (Der Staat) trägt Platons literarische Figur des Sokrates seinem Gesprächspartner Glaukon das Sonnengleichnis vor. Anschließend folgt das Liniengleichnis, mit dem das sechste Buch der Politeia endet. Das siebte Buch beginnt mit dem bekanntesten der drei Gleichnisse, dem Höhlengleichnis. Die drei Gleichnisse bauen aufeinander auf und geben einen umfassenden Einblick in das Gedankengut Platons.

Im Sonnengleichnis entwirft Platon eine Metaphysik, in der die "Wesenheit des eigentlichen Guten" (508 St.2 E) als letzte Ursache für alles Seiende gedacht wird. Auch die Erkenntnis des Seienden ist wie seine Existenz letztlich im eigentlichen Guten begründet.
Bevor Platons Sokrates zur Veranschaulichung der Erkenntnisvorgänge auf der Seelenebene ein gleichnishaftes Bild entwirft, erklärt er das Verhältnis der sichtbaren Dinge zum Wesen der Dinge, den Ideen. Er unterscheidet zwischen der Vielheit einer Kategorie von Dingen, die sprachlich genauer beschrieben werden und einem Begriff, der diese Vielheit vereinheitlicht und als deren Wesen bezeichnet wird. Die Vielheit ist dem Auge sichtbar und nicht denkbar, während der einheitliche Begriff mit dem Auge nicht wahrnehmbar, sondern nur denkbar ist. Um diese Überlegungen zu veranschaulichen, können wir uns z. B. verschiedene Pferde mit ihren jeweiligen Eigenschaften (Rennpferd, Zugpferd, ...) vorstellen, die als solche in der Wirklichkeit vorkommen. Dem gegenüber steht der Begriff "Pferd", der allen Menschen, die wissen, was ein Pferd ist, eine abstrakte allgemeine Vorstellung dieses Vierbeiners gibt. Dieser hat in der äußeren Wirklichkeit keine Entsprechung und ist daher nur denkbar.

In weiterer Folge entwickelt Sokrates im Dialog mit Glaukon das anschauliche Bild, dem das Gleichnis seinen Namen verdankt. Er führt zunächst aus, dass wir als Menschen die Fähigkeit, die umgebende Wirklichkeit wahrzunehmen, neben den anderen Sinnen vor allem dem Gesichtssinn (den Augen) und seinem Sehvermögen verdanken. Die visuelle Wahrnehmung wird jedoch nicht nur durch gesunde Augen alleine ermöglicht, sondern erst das von der Sonne ausgehende Licht lässt die Dinge in ihrer ganzen Schärfe erscheinen. Dort wo Finsternis herrscht, werden die Augen trotz gutem Sehvermögen nicht in der Lage sein, die Umwelt richtig wahrzunehmen. Die wichtigen "Eckpunkte" dieses Bildes sind somit die mit Sehvermögen ausgestatteten Augen, die wahrnehmbaren Dinge mit ihren jeweiligen Eigenschaften (Form, Farbe, …) und die Sonne, die durch das von ihr ausgehende Licht die Wahrnehmung ermöglicht.
Im nächsten Schritt erläutert Sokrates, wie sich dieses Verhältnis auf die Seelenebene umlegen lässt. Obwohl er an dieser Stelle nicht näher ausführt, was mit der Seele eigentlich gemeint ist, ist sie offenbar das Instrument, das dem Menschen für die wahre Erkenntnis der Ideen zur Verfügung steht. Die Fähigkeit der Seele zu wahrer Erkenntnis, die in unterschiedlicher Stärke vorhanden sein kann, wird als die Vernunft bezeichnet. Im vorangegangenen Bild war von den mit Sehvermögen ausgestatteten Augen die Rede, die die Dinge der Welt wahrzunehmen vermögen. Sie stehen gleichnishaft für die mit dem Vermögen zur Vernunft ausgestatteten Seele, die das Wesen der Dinge zu erkennen vermag. Die Sonne im Bild ist auf der Ebene der Seele das, was Platon die Wesenheit des eigentlichen Guten oder das "höchste Gute" (509 St.2 A) nennt. So wie die Sonne die Ursache für das Licht ist, das die äußeren Dinge in ganzer Schärfe für das Auge sichtbar macht, so ist das höchste Gute die Ursache des Gutseins, das den Ideen die Wahrheit (das bedeutet ihr Gutsein und ihre Erkennbarkeit) und der Seele das Vermögen zu erkennen (die Vernunft) verleiht. "Im Bereich des Seienden wird durch das Gutsein, das von der Idee des Guten ausgeht, das Seiende zum Wahren, nämlich zu dem, was sich als das zeigt, was es ist. Und die Seele wird zur erkennenden, insofern sie als gute das Vermögen der Vernunft in sich ausbildet." (Böhme, 2000, S. 359) Richtet sich die Seele jedoch aus einem Mangel an Vernunft auf häufig sich verändernde, vorurteilsbehaftete Meinungen, ist es ihr verwehrt, zum eigentlichen Wesen der Dinge vordringen.

Nach diesen Ausführungen kehrt Sokrates noch einmal zur Ursache allen Seins zurück. So wie die Sonne das Entstehen, Wachsen und Gedeihen der sichtbaren Dinge ermöglicht, geht nicht nur die Erkenntnis der Wahrheit der Ideen durch die Vernunft, sondern alles Seiende aus dem höchsten Guten hervor. "Und so räume denn auch nun ein, daß den durch die Vernunft erkennbaren Dingen von dem Guten nicht nur das Erkanntwerden zuteil wird, [C] sondern daß ihnen dazu noch von jenem das Sein und die Wirklichkeit zukommt, ohne daß das höchste Gute Wirklichkeit ist, es ragt vielmehr über die Wirklichkeit an Würde und Kraft hinaus." (509 St.2 B,C) Indem Platon an dieser Stelle dem höchsten Guten die Wirklichkeit abspricht und es an Kraft und Würde darüber hinausragen lässt, liegt der Gedanke nahe, dass er hier das höchste Gute mit der Idee eines seinstranszendenten Absoluten gleichsetzt.

Literatur

Böhme, G. (2000) Platons theoretische Philosophie. Stuttgart.

Platon, (1855) Politeia (Der Staat). Nach der Übersetzung der Bücher I-V von Wilhelm Siegmund Teuffel und der Bücher VI-X von Wilhelm Wiegand. In: Platons Werke. Zehn Bücher vom Staate. Stuttgart.
http://www.opera-platonis.de/Politeia.html

 

24. Oktober 2015          oliver beihammer