Alexei/Martin Buber: Die Erfüllung in uns selber finden

"Und warum war es so wichtig, dass ihr Pevek aufsucht? Ihr weißen Männer habt nie gelernt, dass die Welt rund ist. Oh, vielleicht wisst ihr das, aber jedenfalls habt ihr es nie gelernt. Ihr versucht immer, euch auf einer geraden Linie zu bewegen, in Richtung eines Zieles, als ob ihr irgendeinen Ort finden könntet, der besser ist als der Ort, den ihr verlassen habt." 

Das ist meine deutsche Übersetzung der Worte des Korjaken Alexei, wie sie von Jon Turk in seinem Buch The raven's gift überliefert wurden.

"Und hätten wir Macht über die Enden der Erde, wir würden an erfülltem Dasein nicht erlangen, was uns die stille hingegebene Beziehung zur lebendigen Nähe geben kann. Und wüßten wir um die Geheimnisse der oberen Welten, wir hätten nicht so viel wirklichen Anteil am wahren Dasein, als wenn wir im Gang unsres Alltags ein uns obliegendes Werk mit heiliger Intention verrichten."

Martin Buber

Es gibt Zeiten, in denen wir zu Neuem aufbrechen, seien es nun Orte in dieser Welt, die wir nicht kennen oder dass wir uns anderen Aufgaben zuwenden. Aber auch im Neuen erleben wir nur dann Erfüllung, wenn wir wieder bei uns selbst beginnen. Nach den Worten von Martin Buber ist es die hingegebene Beziehung an unsere Umgebung, die zum erfüllte Dasein führt, entweder im Neuen oder auch da, wo wir sind.

 

3. Dezember 2018          oliver beihammer


 

 

 

Johannes vom Kreuz: Am Abend des Lebens

Am Abend unseres Lebens werden wir nach der Liebe gerichtet werden.

Johannes vom Kreuz

Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen.

Frère Roger

Es gibt viele Dinge, die uns als Menschen erstrebenswert erscheinen und wir verwenden viel Zeit und Energie darauf sie zu erlangen. Wenn wir jedoch den Worten von Johannes vom Kreuz und Frère Roger glauben dürfen und unsere begrenzte Existenz vom Ende her denken, dann wird für das gelingende Leben vor allem die Liebe zählen, die wir in diese Welt hinein getragen haben.
Überaus bemerkenswert ist die Einsicht von Frère Roger, dass die Liebe etwas ist, dass allmählich in uns wächst und sich entfaltet, wenn wir uns dafür entscheiden. 

 

14. Oktober 2018          oliver beihammer


 

 

 

Jon Turk: Was du tun kannst

Wenn du eine Minute hast:
Ignoriere, wovon du denkst, es könnte wichtiger sein. Konzentriere dich auf einen einzelnen Muskel. Spanne ihn an, dehne ihn, verwende ihn. Fokussiere dein gesamtes Bewusstsein auf diesen Muskel.

Wenn du eine Stunde hast:
Ignoriere, wovon du denkst, es könnte wichtiger sein. Finde einen Park, ein Waldstück, eine Wiese oder einen Platz, an dem sich die Natur artikuliert. Führe eine Gehmeditation durch, ohne zu sprechen und gib deinem "denk-zu-viel, weiß-es-alles-Gehirn" eine Erholung von der unangenehmen Arbeit des Denkens.

Wenn du eine Woche hast:
Vergiß, wovon du denkst, es könnte wichtiger sein. Nimm eine Auszeit in einer natürlichen Umgebung, die zu dir spricht. Reduziere Gespräche für die gesamte Woche: Schaue, höre, rieche und fühle. Schenke deinem Geist den Luxus auf Erholung zu gehen und höre auf, dich über Dinge zu sorgen, die diese Sorge ohnehin nicht brauchen.

Wenn du eine Lebenszeit hast:
Vergiß, wovon du denkst, es könnte wichtiger sein. Greife tief in dich hinein, um deine persönliche Leidenschaft zu finden, deinen Weg zur Ekstase. Folge diesem Weg.

Das ist meine deutsche Übersetzung von Jon Turks What you can do. Die englische Originalfassung findet sich auf http://www.jonturk.net/blog-posts/

 

21. Oktober 2017          oliver beihammer