Eine Rundwanderung um den Kebnekaise - Sommer 2010


- Das Kebnekaise-Massiv -

Auf der Reise nach Lappland in diesem Jahr fuhren Eeva Kaisa und ich zuerst nach Kvikkjokk und hielten uns einige Tage im südlichen Sarek-Nationalpark auf. Danach entschlossen wir uns, in der noch verbleibenden Zeit um den Kebnekaise zu wandern. Die folgenden Zeilen sind eine Erinnerung an diese Tour, auf der ich auch den Kebnekaise besteigen konnte.

Der Weg zum Gaskhasjohka. Am Nachmittag des 11. August trafen wir in Nikkaluokta ein, dem Ausgangspunkt für Berg- und Wandertouren im Kebnekaise-Gebiet. Ich war bereits vor acht Jahren auf meiner ersten Reise nach Lappland hier gewesen und hatte den Eindruck, dass sich inzwischen kaum etwas verändert hatte. 
Auf dem viel begangenen Weg zur Kebnekaise Fjällstation führte uns unser Weg zunächst bis zur Brücke über den Láddjujohka. Dort zweigten wir nach Nordwesten ins Hochtal des Čievrrajohka ab. Am folgenden Tag wanderten wir über das Čievrraláhku weiter in das schroffe Gebirgstal des Gaskhasjohka, wo wir unweit des Rastschutzes in der Nähe der Brücke zwei Nächte im Zelt verbrachten. Bei passabel gutem Wetter stiegen wir auf den östlichen Gipfel des Palkastak, der sich nördlich des Rastschutzes erhebt. Meine Erinnerungen an diesen Tag sind jedoch nur mehr vage.
Regen und Sturm. Am vierte Tag wanderten wir durch das beidseitig von steilen Bergen umgebene Kaskasavagge weiter nach Westen. Im Laufe des Tages kam Regen und starker Wind auf. Wir versuchten westlich des Pyramiden aus dem Kaskasavagge ins Unna Reaiddávággi zu wechseln. Dort hätten wir in der Unna Räitastugan übernachten können, was bei dem miserablen Wetter wesentlich angenehmer als im Zelt gewesen wäre. Aufgrund der extrem schlechten Sicht verfehlten wir jedoch den Übergang und stiegen irrtümlich weiter westlich zwischen Fels und Gletschereis ein Stück Richtung Knivkammen auf. In dem unwegsamen Gelände erkannten wir jedoch bald, dass wir nicht auf dem richtigen Weg waren. So kehrten wir um und stellten am Talgrund des Kaskasavagge das Zelt auf. Die darauffolgende Nacht war so stürmisch, dass unser teilweise aus den Verankerungen gerissenes Zelt am nächsten Morgen fast flach auf dem Boden lag. Zu unserem Glück beruhigte sich das stürmische Wetter bald und wir konnten an diesem Tag unseren Weg ins Tjäktjavagge fortsetzen. Dort zelteten wir drei Nächte in der Nähe des Rastschutzes am Kuoperjåkka und bei dem guten Wetter, das auf den Sturm folgte, gelangen uns von hier aus zwei großartige Bergtouren.
Aufstieg auf den Kebnekaise. Am 16. August stieg ich allein durch das Tal des Siŋŋijohka auf den Sydtoppen des Kebnekaise. Eeva Kaisa hatte sich an diesem Tag entschlossen, einen ruhigeren Tag in der Nähe des Zeltes zu verbringen. Nach einem Drittel des Aufstieges kamen mir drei junge schwedische Männer entgegen, die wesentlich früher als ich aufgestanden waren und sich bereits auf dem Abstieg befanden. Sie teilten mir mit, dass ich noch etwa drei Stunden bis zum Gipfel vor mir hätte, was sich später als richtig herausstellte. Als ich im weiteren Verlauf des Anstieges die kleine Hütte etwa einen Kilometer unterhalb des Sydtoppen erreichte, traf ich auf viele Bergsteiger, die über den Östraleden von der Kebnekaise Fjällstation aufgestiegen waren. Nicht alle waren gut ausgerüstet und einige schienen sich auf dem glasharten Eis der Gipfelkuppe des Kebnekaise unwohl zu fühlen. Trotz der vorhandenen Spur zogen sie es vor, das letzte Stück zum Gipfel - sowohl im Auf- als auch im Abstieg - auf dem Hosenboden zurückzulegen. Obwohl auch ich zu Beginn auf dem glatten Eis einmal kurz abrutschte, gelang es mir schließlich doch, den höchsten Punkt Schwedens sicher im aufrechten Gang zu erreichen. Da der Gipfel nicht viel Platz bietet und noch einige andere Leute anwesend waren, blieb ich nicht lange. Als ich jedoch beim Abstieg wieder das grobe Geröll unterhalb der Gipfelkuppe erreichte, setzte ich mich noch einmal eine Weile nieder und ließ meine Blicke über die imposante Bergwelt schweifen. Bei der guten Sicht waren bis zum Horizont viele Gipfel und Erhebungen mit scharfen dunklen Schatten und dazwischen liegenden Gletschern zu erkennen. Die Berge und zerklüfteten Grate mit ihren steilen Hängen aus rauem Schutt und Geröll ließen erkennen, dass sie seit geologischen Zeiträumen den eisigen Wintern nördlich des Polarkreises ausgesetzt waren. Sie schienen sich in einem Stadium des langsamen Zerbröckelns zu befinden. Nach diesen beschaulichen Momenten setzte ich meinen Abstieg langsam fort. Als ich weiter unten wieder in das Tal des Siŋŋijohka kam, zeichnete die tiefstehende Sonne bereits kräftige Schatten auf die Nordseite des Siŋŋičohkka. Nach einer weiteren Stunde gelangte ich zurück zu unserem Zeltplatz im Tjäktjavagge.
Tour auf den Duolbanjunečohkka und Rückweg. Am darauffolgenden Tag bestiegen Eeva Kaisa und ich den Duolbanjunečohkka, der sich nördlich des Rastschutzes am Kuoperjåkka erhebt. Der Anstieg war wesentlich kürzer als auf den Kebnekaise. Der Gipfel bietet jedoch einen großartigen Ausblick auf das Guobirvággi und das ganze Kebnekaise-Massiv.
Am nächsten Tag brachen wir unser Lager am Kuoperjåkka ab und wanderten auf dem Dag Hammarskiöldsleden zur Kebnekaise Fjällstation und am folgenden Tag weiter zu unserem Ausgangspunkt nach Nikkaluokta. Diese Rundwanderung um den Kebnekaise im Sommer 2010 war meine letzte Wanderung mit Rucksack und Zelt. Wie bereits in den Jahren zuvor, hatte ich gegen Ende der Wanderung Schmerzen in meiner linken Schulter, die immer beim längeren Tragen eines Rucksackes auftreten. Deshalb war ich in den Jahren seit 2010 im Sommer vermehrt mit dem Seekajak am Meer unterwegs.


- Rastschutz am Gaskhasjohka -

- Das Tal des Siŋŋičohkka beim Aufstieg auf den Kebnekaise -

- Der Sydtoppen des Kebnekaise -

- Blick nach Norden von der Westschulter des Kebnekaise -

- Die Nordseite des Siŋŋičohkka -

- Das Guobirvággi vom Duolbanjunečohkka -

- Kirche in Nikkaluokta -

 

13. November 2019          oliver beihammer